Unsere Akteure 

 und die der anderen Gesellschaften

 

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"Blöder Laden ist das hier" Lied hier anklicken   

Für den kometenhaften Aufstieg der KG "Narrengarde Paohlbürger" gab es nur einen Grund: Die enorm große Anzahl der Akteure.

Schon früh hatte ich in der "Narrenzunft Aasee" die ersten guten Akteure zusammengezogen. Es waren jene Musiker aus meiner ehemaligen Big Band, die mit mir noch weiter in den Mütter Kurheimen des DRK unterwegs waren. So waren dies Ferdy Essink - Josef  Hoyer - Freddy Brüggemann - Winfried Wieck - Claus Paulsen,( er gründete später die  "Big Claas Swing Band") -  Bernhard (Bube) Wesselmann - Gert Bröker - Wolfgang Heister - Fritz Herrmann - Franz Veltmann - Dieter Brüseke - Claus Fischer - Alfred Kerski - Bruno Kauzor - Jonny Dübe - Heinz Kupfer - Hans Linge, Jochen Kernbach und Siegfried Greiner. Viele Jahre bevor der Begriff Travestie bekannt wurde arbeiteten die Musiker meiner Rhythm King`s und später die Eichelmänner schon als perfekte Damenkapelle. Besonders zur Karnevalszeit am Weiberfastnacht feierten Sie wahre Triumphe. Einige Musiker dieser Zeit sind nie Karnevalisten oder Mitglieder geworden, standen mir aber für Programme immer zur Verfügung.  

Überhaupt hatte Münster nach dem Krieg eine Reihe von guten Band`s, ob Carl Busco - Willy Rieger - Eugen Möhrchen - Claus Göhre , das Studenten Tanzorchester, die Rythm Kings in dem wohl einer der besten Trompeter der damaligen Zeit spielte. Gerd Heidemann war Jura - Student und im Ton sowie in der Art zu spielen, von dem amerikanischen Startrompeter Harry James nicht zu unterscheiden. Für kurze Zeit war er auch in meiner Big Band und bereicherte den Blechsatz enorm. Meine Big Band war auch im ersten Rosenmontagszug nach dem Krieg für die Narrenzunft Aasee auf einem Wagen und heizte trotz strömenden Regen die Narren ein. Die Noten schwammen uns davon aber es hat Spaß gemacht. Die Zeit, in der ich nach dem Krieg bei den englischen und amerikanischen Einheiten Musik machte war eine der schönsten . Wie bei allen Musikern und Künstlern  die damals viel unterwegs gewesen sind, war der Verdienst nicht Uninteressant, und verwirklichte  die Hebung unseres Lebenstandart enorm. Nicht nur, das wir durch meinen angehenden Schwager, einem sehr hohen Offizier der Rheinarmee eine Auslastung als Musiker im festen Angestellten Verhältnis hatten, waren wir dadurch auch in der Verpflegung einem englischen Soldaten gleichgestellt . Mit der Auflösung meiner Big Band 1950 blieb auch nur noch der ganz enge Kreis der Musiker zusammen mit denen ich  1945 begonnen hatte. Es waren die besten, musikalisch und künstlerisch, hervorragende Leute mit denen es Freude machte das jetzt närrische Publikum zu unterhalten.  Mehr in dem Bericht :

" Karnevalslieder und wir machten Musik"

Das Verhältnis vom Akteur zum Elferrat wurde langsam aber sicher immer schwieriger. Während die Elferräte und ihre Präsidenten auf Vereinskosten lustig Wein und Sekt bei jeder Galasitzung konsumierten, waren es die Akteure, Büttenredner Musiker und Sänger, die auf der Bühne standen und froh waren, wenn der eine oder andere gut betuchte Gast Ihnen ein Glas Bier spendierte. Als jung Verheirateter mit einem Kind war das Bruttogehalt mit 475.- DM zwar schon beachtlich, nur konnte ich meiner lieben Frau auf keinen Fall verständlich machen, dass ich ein paar Mark für Bier haben musste, wenn ich zu den Auftritten der Gesellschaft ging. Sie stand ganz einfach auf dem Standpunkt, dass ich, wie alle anderen Akteure auch, die Getränke frei haben müsste, da der Elferrat ja auch die Getränke frei habe. Mein Büttenredner Kollege Norbert Zellerhoff sowie die anderen der Gesellschaft zugeführten Akteure waren der gleichen Meinung.

Die mit dem Vorstand geführten Gespräche endeten damit, dass wir ab sofort bei jeder Galasitzung 3.- DM bekamen (Ein Glas Bier kostete zu der Zeit 0,30 DM).-Bei einer auswärtigen Veranstaltung mussten wir uns allerdings mit 3.- DM an den Fahrtkosten beteiligen, und für Getränke und Verpflegung hatten wir selbst zu sorgen.  Die Büttenredner und Sänger erlebten immer wieder , dass der Elferrat rund um Weinselig von der Bühne kam und auch noch glaubte der Erfolg des Abends käme in erster Linie Ihnen zu. Es kam, wie es kommen musste, wir Akteure  trennten uns von dieser Gesellschaft und wurden bei der damals größten Gesellschaft Münsters, der KG "Freudenthal", vorstellig.

Es hatte sich in Münster herumgesprochen, dass diese Gesellschaft ein Akteursgeld zahlen sollte, was sich  aber später als unwahr erwies. Nach negativ verlaufenen Verhandlungen mit den Verantwortlichen  war der Schritt zur Gründung der KG Paohlbürger Münster e.V. getan.

Im Februar des Jahres 1954 trafen sich in der Gaststätte Biedermeier am Marienplatz folgende Akteure und Aktive: Norbert Zellerhoff, Kurt Adolf König, Günther Jeffke, Kurt Weinmann, Gerd Bröker, Willy Kiehn, Seppel Wintergalen, Wolfgang Heister und meine Person. Wir beschlossen, eine eigene Karnevalsgesellschaft zu gründen, darin sollten die Akteure, die auf der Bühne agierten, das Sagen haben. Die Wahl des Präsidenten wurde zum Problem, es war gar nicht so einfach, den geeigneten Mann zu finden. In Alo Everding war dann später ein Präsident gefunden, der sprachgewandt und humorig durch ein Programm führen konnte. Doch schon bald zeigte sich, dass auch bei uns die Meinung vertreten wurde, erst kommt der Präsident, dann der Elferrat, danach die Akteure. Zeitweise wurde sogar der Standpunkt vom Präsidenten vertreten, wenn ein Akteur nicht will, spreche ich eben 10 Minuten länger. Ich habe auch später bei anderen Gesellschaften Präsidenten getroffen die genau so dachten . Immer wieder habe ich bei allen meine Meinung vertreten, der Verein ist ohne seine guten Akteure gar nichts. Hat er keine, muss er welche kaufen, das wird teuer. 

Die von mir und meinem Freund Heinz Fischer (NZA) geplante Gründung eines Akteurskreises "Die Bütt" nach Kölner Vorbild der Künstlerstammtische wurde sabotiert, so dass diese gut gemeinte Idee, von der alle Gesellschaften in Münster auf Dauer profitiert hätten, nicht zum Tragen kam. Solch ein Kreis bot sich direkt an. Der Konkurrenzkampf der Gesellschaften untereinander hatte schon insofern begonnen, als bei den Veranstaltungen des NDR und WDR (Das Fernsehen war noch nicht so weit) die KG Freudenthal für sich in Anspruch nahm, den Großteil der Akteure zu stellen, obwohl weit bessere Sänger und Redner in anderen Gesellschaften vorhanden waren. Der damals dafür zuständige Redakteur des WDR Peter Kottmann später K.G. Breuer hatte das auch sehr bald erkannt, und schickte meinem Büttkollegen Norbert Zellerhoff und mir die Verträge für die einzelnen Veranstaltungen  des Rundfunks ab da direkt zu. 

So war es auch gang und gebe, daß die jeweiligen Sitzungspräsidenten bei den Großveranstaltungen des WDR in der Absage immer von einem Spitzenredner der Karnevalsgesellschaft "Freudenthal" von 1832 oder der renommierten Karnevalsgesellschaft "Die Wiedertäufer" sprachen bei Norbert Zellerhoff und mir war es ein echt "Münsterischer Junge" oder eine "Urige Type mit Humor". Die Gesellschaft wurde wohlweißlich verschwiegen. Schon zu dieser Zeit waren die Büttredner, Sänger und Parodisten der Paohlbürger Spitzenkräfte im Bundesdeutschen Karneval.Wir belegten als junge Karnevalisten die größten Sääle und gingen als erste Gesellschaft Münsters in die Halle Münsterland. Durch meine Verbindungen zum Rheinischen Karneval über meine Büttreden und die Musik kam ich sehr früh mit diesen führenden Gesellschaften in Kontakt. Dieses wurde mir allerdings von einigen münsterischen Vereinen sehr verübelt. Ich kam fast in Acht und Bann. Dabei war das keineswegs meine Erfindung. Schon in frühester Jugend hatte mir meine Mutter sehr oft gesagt das die "Große Kölner Karnevalsgesellschaft" mit ihrem Präsidenten Fritz Maass Gemeinschaftssitzungen mit der "KG.Freudenthal" unter Pinkus Müller in der Stadthalle abgehalten hat. So hat unter anderem der Präsident der Kölner, Fritz Maass und eine Reihe Elferatsmitglieder an diesen Tagen immer bei uns in der Gaststätte "Sängerklause" Lepper`s in Hals- Krummestraße 21 -22 übernachtet. 

                             

Unter dem Motto: "Münster lacht von fünf bis acht" wurde manche großartige Sitzung nach dem Krieg dem Hörer nahe gebracht, wenn auch bei Norbert Zellerhoff und mir das Mikrofon aus unerklärlichen Gründen manchmal streikte. (siehe Zeitungsberichte)    

Es zeigte sich aber bald, dass der von uns eingesetzte Präsident mit vielem nicht einverstanden war, was die Akteure anging. In einer Machtabstimmung versuchte er, sich gegen die Akteure durchzusetzen und verlor. Er trat zurück und die Gesellschaft hatte ab da in der Führung einen 1.Vorsitzenden oder vörnsten Baas, die Akteure bestimmten in jeder Session einen Sitzungspräsidenten. Es zeigte sich, dass diese Entscheidung richtig war, denn der Zustrom der Akteure in unsere Gesellschaft hielt unvermindert an. Neider sprachen von einem Sammelbecken für Unzufriedene.  Nur waren diese Akteure bei uns, mehr als zufrieden. Von diesem Zeitpunkt wurde an unsere Akteure für jeden Auftritt ein Startgeld von 20.- DM gezahlt. Wir waren jetzt als Gesellschaft in der Lage, Spitzenprogramme von 4 Stunden und mehr zu bieten.

Ich stieß dann auch erstmals mit den Anhängern des zurückgetretenen Präsidenten in der Form zusammen, dass mir erklärt wurde, der Elferrat sei immer noch das Wichtigste in der Sitzung. Worauf von mir der Spruch geboren wurde, einen Elferrat bekomme ich immer, zur Not auch vom Arbeitsamt, nur den Akteur muss ich teuer bezahlen, wenn ich ihn kaufen muss. Ich handelte mir damit bei den Freitrinkern keine Sympathie ein, dafür standen meine Akteure aber hinter mir, und das war das Gold einer jeden Sitzung. Wenn ich diese Akteure der damaligen Zeit, von denen einige bis zuletzt noch mit mir auf der Bühne standen, heute noch mal nenne, so haben Sie es verdient!

Als Büttenredner waren das: Hermann Tiehoff, Kiepenkerl, Heribert Witte, Anton Zugspradel (Ein Bayer in Westfalen), Walter Arntz (Der Kurgast), Seppel Wintergalen, Kiepenkerl Herbert Brüggemann und Landois Werner Jakobs, ein legendäres Duo das solange Werner Jakobs dabei war, von Erfolg zu Erfolg lief, Margot Dittko, Horst Rosenbaum, Ilse Wessel, Erwin Königsmann und Horst Weiß (Die Kappesköppe), sie gründeten 1958 die KG Witte Müse, und Horst Weiß wurde ihr Präsident, Günther Klett, Winfried Ohlgart (Der Mann aus Bonn), Heinrich Gremm (Der Bauer aus Abslau), Norbert Zellerhoff (Der Pantoffelheld), Hans Jürgen Gartzke, der kleine Mann mit dem großen Herzen als Sohn oder Tochter und ich selbst als Vater, er trat auch mit dem Sänger Alfred Schnitzler, Bass -Bariton und dem legendären Babysitter Song auf und feierte wahre Triumpfe, die Narren tobten wenn Hans Jürgen als Baby fungierte. Schütze Ziets, Gefreiter Ziets, Obergefreiter Ziets, Tönne Wirsing oder der Türmer, eine Riege meiner Vorträge, in der jeder Vortrag eine Klasse für sich war. Jahrelang waren mein Mitgründer Norbert Zellerhoff und ich abwechselnd bei dem großen vier Städte Wettstreit Aachen - Düsseldorf - Köln - Münster des WDR mit Peter Kottmann dabei. Hier lag das Präsidium in den Händen von Jack Königstein Aachen und Mäkki Reuter Münster, zwei Sitzungspräsidenten von Format, ob in der Westfalenhalle Dortmund oder in der Halle Münsterland. 18 000 Narren erlebten Sitzungen der Spitzenklasse, die über den Äther gingen. Aber auch hier war jeder Präsident immer nur so gut wie seine Akteure die er mit im Programm hatte.

Die Sänger: Alfred Schnitzler - Willy Kiehn - Lothar Thelen - Heinrich Burgemeister er ging im Jahre 1971 zu den Bösen Geistern und wurde 1975 ihr Präsident - Hubert Conen - Eduard Bötsch, der singende Kommandant des Corps - Heinz Eissing - Peter Häsicke - Siegfried Schäpers - Hans Leckel und Bärbel Laumen,ein Gesangsduo der Spitzenklasse - Hans Herbrig - Der Monasteria Chor unter Leitung von Rainer Schaphorn - das Eichelmann-Quartett mit Willy Eichel - Dieter Brüseke - Gert Bröker (der auch die Musik für viele meiner Schlager schrieb) und Karl Heinz Stegemann , genau wie Fritz Hermann, ein exzellenter Musiker und Musiklehrer aus der Zeit meiner Big Band, mit ihm zusammen komponierte ich meine Heimatlieder. Nicht vergessen werden sollten Franz Veltmann und Hermann Wichmann, die auch zeitweise in meinem Quartett mitwirkten.

Das Mundharmonika Trio Harryson & Co. mit Hans Richard Elfers - Rolf Breitbach - Jürgen Jarbeck - Hans Oldhues - Wolfgang Heister - Dieter Wemhöner - Eitel Hamm - Bube Wesselmann und Willy Schöttler. Wolfgang Heister war auch  als Solist in meiner Big Band tätig. Er war ein Ass auf der chromatischen Mundharmonika, der sich mit dem damaligen amerikanischen Künstler Larry Adler mit Sicherheit messen konnte, von seinen Humoristischen Fähigkeiten ganz zu schweigen. Das Mundharmonika Trio Harryson & Co  selbst, stand dem damals legendären holländischen Mundharmonika Trio "Die Hodschas" in nichts nach. 

"Die drei Paöhle"  Heinrich Burgemeister - Gerd Bröker und Heinz Kersting waren ebenfalls gesanglich wohl das beste was es damals gab. ( Burgemeister wurde später Präsident der KG Böse Geister )Die sorgenvollste Gründung war unser hauseigenes Ballett. Unsere bezaubernden Hupfdolen, 7 bildhübsche Mädchen unter Lilo Jakobs sorgten für die erste Unruhe in unserer neu gegründeten Junggarde. Es war im wahrsten Sinne einfacher, einen Sack Flöhe zu hüten, als auf das Ballett und die Junggarde aufzupassen. So war es keine Seltenheit, dass die Garde und das Ballett an manchem Sitzungsabend erst mit Verspätung oder gar nicht zur Verfügung  standen.                                

Durch den Zugang der Familie Bragulla kam ein Ehepaar mit ganz begeisterten Kindern in unsere Gesellschaft. Trat der Sohn Christian mit seinen Schulfreunden später dem 1. Bischöflichen Münsterischen Corps als Offizier bei, schlugen die beiden Mädchen Corina und Cathrin Bragulla als tanzende Solistinnen alles in ihren Bann. Als Schülerinnen einer der führenden Tanzschulen Münsters schlossen Sie ihr Studium an der "Royal Academie of Dancing" mit Auszeichnung ab. Jedes Jahr begeisterten Sie mit ihren Solo-Tänzen das Närrische Publikum. Darüber hinaus waren beide die besten Tanzmariechen, die das von mir gegründete  1. Bischöflich Münsterische Offizierscorps  je  gehabt hat.  

Wenden wir uns noch den Akteuren zu, die zu den Besten des Münsterischen Karnevals gehörten und dafür sorgten, dass die Sitzungen ihrer Gesellschaft ebenfalls das Prädikat "Sehr gut" erhielten, aber trotzdem die Stiefkinder ihres Vereins blieben, da sie niemanden hatten,  der wie ich sagte: "Die Akteure sind meine Orchideen, die man hegen und pflegen muss, wenn man sich an Ihnen erfreuen will." So scheiterte eines der besten Gesangs-Trios seiner Zeit "Die Johermas"  der "KG Freudenthal"  mit Hans (Teddy) Silkenbäumer - Werner (Nicki) Wallenhorst - Alfred (Ala) Balkau daran, dass keinerlei gesellschaftliche Unterstützung vorhanden war. Oder Günther Klett, ein Büttenredner der Spitzenklasse, der krank und vergessen, von mir wieder aufgerichtet wurde und noch 10 Jahre bis zu seinem Tod aktiv in der Bütt stand. Darüber hinaus brachte er uns sein Tochter Barbara als talentierte Büttenrednerin mit. Hans Herbrich Tenor der Spitzenklasse .Das Büttas Hans Arends, der KG Wiedertäufer, Walter Justus, Paul Jäger, das Ehepaar Ehn  und Walter Schwienhorst, der Mann mit dem besten Münsterländischen Platt im Vortrag, war bis zu seinem Tod ständiger Gast bei mir im Spieker und im Paohlbürgerhof. Auch Rudi Grevsmühl war einer jener unzufriedenen Büttkanonen . Wen wundert es , wenn er genau wie sein Freund Peter Dräger ins Profilager wechselte. Es waren Spitzenkräfte, die dem Karneval langsam aber sicher verloren gingen. Bei allen war es das Gleiche, nur wer im Zenit des Erfolges stand, war gefragt und umworben . Die unmaßgebliche Meinung einiger Besserwisser  dominierte und trieb wirklich gute Akteure ins vorzeitige aus. Ebenfalls Spitze waren die Freudenthaler Sänger Franz Tumbrink ,Horst Witte  und der Liedermacher Fred Gitto mit dem mich eine Lebenslange Freundschaft verband . Alle diese Akteure im besonderen die der KG Freudenthal waren es die auf Wunsch zwei Ehrenkarten für alle Veranstaltungen unserer Gesellschaft von mir bekamen . An vielen Veranstaltungen konnte ich meine alten Freunde besonders an den Seniorentagen begrüßen .Ständige Gäste an den Seniorentagen waren Fred Gitto - Günther Klett - Walter  Schwienhorst - Pilo Schuhmacher - Hans Herbrich und Horst Witte. Wer spricht heute noch von dem Leiter des Städtischen Fuhrparks Ferdy Stolle, durch ihn wurde die jährliche Prinzenvorstellung zur Karnevalistischen Kleinkunst.Er war ein Kabarettist der Spitzenklasse. Immer waren es die Akteure, die Büttenredner und Sänger, die durch ihre Leistungen bestachen und die Festsäle zum Kochen brachten.

Ein Naturtalent der Sonderklasse war in seiner Art Pilo Schuhmacher. Lieder, wie der "Bläser vor dem Herrn" von Hans Leckel, zählten zu den Glanzleistungen im Münsterischen Karneval. Aber auch als Büttredner war er einsame Spitze. Im wahrsten Sinne stand der Saal Kopf wenn Pilo kam. Auch hier darf gesagt werden das er wirklich in Not geraten, niemand von seinen Freunden hatte der ihm Beistand .So tobend zu Lebzeiten seine Auftritte, so still ging er seinen letzten Gang .Pilo war ein ganz großer im Münsterischen Karneval. Karnevalisten wie Mäkki Reuter, Peter Steingass, Ferdi Stolle oder Hans Nienhaus und Günther Klein, um nur einige zu nennen, waren auch die Garanten für einen großartigen Rosenmontagszug. Züge mit den Motivwagen, wie sonst gang und gebe, gibt es in der Form schon lange nicht mehr.  

Einen besonderen Platz in dem Reigen der Akteure aber nehmen Norbert Zellerhoff, Hubert Conen, Heinz Eissing, Willy Eichel und das Eichelmann - Quartett mit Willy Eichel - Dieter Brüseke - Gert Bröker und Karl Heinz Stegemann ein. Sie waren es, die die Karnevalsgesellschaften "Böse Geister", "Stadtwache Münster" " NZA" "Die Wiedertäufer vom Buddenturm" die "Schlossgeister"und "Mimigerneford" erst richtig herausbrachten. Doch mit dem Wechsel der Präsidenten, Könige oder sonstigen Führungsgremien in den Gesellschaften wurde das sehr schnell vergessen . So wurde ich selbst, nur weiter als Hofrat bei den Wiedertäufern geführt, solange ich Beitragszahler war. Das hätte es unter den alten Königen( Präsidenten) nicht gegeben. Als wir kostenlos für diese Gesellschaften auf der Bühne standen waren diese neuen Leute zum Teil noch gar nicht geboren . Andere Gesellschaften, laden die Akteure, die Ihnen, wie Sie noch gesund und in Hochform, zu vollen Sälen verhalfen, heute nicht mal mehr ein. Den Unterschied zwischen früher und heute aber spiegeln die Sitzungen gnadenlos wieder. Ich habe mich um viele dieser alten Akteure, Büttredner und Sänger persönlich bemüht und auch geholfen wenn es nötig war. Sie fanden bei den Paohlbürgern unter meiner Führung wieder Anerkennung und Heimat, nur wurde das auch sehr schnell von einigen Akteuren und heutigen Präsidenten vergessen . 

Unter den Präsidenten Otto Kockmeier, August Ravagni, Heinrich Burgemeister Seppel Köchling, Benno Schmidt und Helmut Osthues waren diese Akteure bei allen Sitzungen der "Bösen Geister" mit von der Partie. Sie brachten die Säle in Stimmung und sorgten für ein nachhaltiges Image der Gesellschaft. Später wurde durch den Exprinzen Rechtsanwalt Bruno Gerding der Präsidentenposten wieder zu dem, was er mal war .  Lassen Sie mich ein paar Worte zu dem Präsidenten Helmut Osthues sagen, ihm verdankt die KG Böse Geister besonders viel, denn die geschäftlichen Verbindungen mit Ihm veranlassten mich, für die Gesellschaft unter seiner Führung die Geistertaufe für die Ehren und Obergeister zu entwickeln. Mit meinem Büttpartner Hans Jürgen Gartzke machten wir bei der Taufe in den ersten Jahren die Geister. Alle nachfolgenden Präsidenten profitierten von dieser Veranstaltung  ganz besonders und genossen es bis zu dem Zeitpunkt , an dem Ihre eigene Leistung und Können gefragt wurde. Einer der beständigen alten "Böse Geister" aber war wohl der Kaufmann Lothar Fröhlich. Mit ihm verbinden mich viele Jahre in karnevalistischer Freundschaft. Er war das, was man einen echten Karnevalisten nennt. Das damals bekannte Gesangstrio "Die 3 Paöhle"  der Paohlbürger mit Heinrich Burgemeister - Gerd Bröker und Heinz Kersting war bis zum Jahre 1973 Mitglied in beiden Gesellschaften. Mit dem Ausscheiden von Gerd Bröker und seiner Rückkehr in das  "Eichelmann-Quartett" nahm Heinz Burgemeister den Posten des Präsidenten bei den Bösen Geistern an, den er bis 1984 inne hatte.

von rechts: - Norbert Zellerhoff- Heinz Burgemeister- Gerd Bröker- Heinz Kersting - Liesel Krautkrämer -  Willy Eichel  

 Als ständige Büttenredner der "Karnevalistischen Stadtwache" begeisterten wir die Närrinnen und Narren in Wilhelmshaven - Oldenburg - Hannover und Münster, die jung ins Leben gerufene KG "Mimigerneford" deren Mitgründer und Namensgeber ich bin, ebenso wie die "Wiedertäufer" und "Pängelantöner" unter ihrem Präsidenten Hermann Treff. Aber auch das Ehepaar Seidensticker sollte nicht unerwähnt bleiben. Karnevalisten mit Herz und Humor. Weiter war der Sitzungspräsident des "CC Coerde" Manfred Spangemacher einer der elegantesten Humoristen seiner Zeit ob es sich um die Ansage einer Modenschau oder einen bunten Abend handelte er wurde jeder Aufgabe gerecht. Auch als Texter und Komponist wurde er mit vielen seiner Lieder über die Grenzen Münsters bekannt. Für die KG Coerde wurde er als Sitzungspräsident zum Glücksgriff für die Gesellschaft.

Die KG "Mimigerneford" und deren "Friedensreiter" deren Namensgeber und Mitgründer ich bin wurde durch die Akteure der Paohlbürger von Anfang an unterstützt. Mit Fug und Recht kann gesagt werden das die Akteure der Paohlbürger den Aufbau  maasgeblich mit betrieben .Unter der Präsidentschaft von Helmut Lewitz wurde diese Gesellschaft bald zu einem Geheimtipp für gelungene Karnevalsveranstaltungen. Es waren junge Leute die alle aktiv in irgendeiner Position tätig waren .Zeitweise hatte der Präsident ein Karnevalstrio auf die Beine gestellt was mit Liedern und Parodien zu begeistern verstand. Viele Jahre zählten Sie zu den ganz aktiven des münsterischen Karneval. Schon bald kam der Wunsch bei Ihnen auf ebenfalls wie alle anderen Gesellschaften einen Kreis  Förderer besonders zu Ehren. Da ich aber etwas besonderes auch im Bezug auf den Namen machen wollte, schlug ich dem Vorstand die Ernennung  von Friedensreitern vor. Dieser Vorschlag wurde begeistert aufgenommen . So wurden dann als erste Friedensreiter der Mühlenhoferbauer Theo Breider der damalige Ehrenpräsident des BWK Karl Schäfer (Ritter Karl)der Prokurist ppa.Hans Schweifer(Pebüso Betonwerke Heribert Büscher und ich selbst als vörnste Baas und Mitgründer dazu ernannt. Jährlich wurden jetzt honorige Bürger unserer Stadt und andere Prominenz in diesen Kreis aufgenommen. Im laufe der Jahre und mit Wegfall vieler aktiver Kräfte kam der Zeitpunkt an dem diese Gesellschaft vor dem Problem der Auflösung stand. Für die Angliederung der Friedensreiter wurde eine Attraktive Gesellschaft in der KG "Schlossgeister" gefunden.  So hat diese wunderbare Einrichtung wieder eine Heimat gefunden indem das Brauchtum und althergebrachte  seinen Platz hat .

Lassen Sie mich etwas zu den Westfälischen oder Münsterischen Karnevalsschlagern sagen. Schon als junger Anfänger aus dem Krieg zurück in den Karneval, lernte ich das gängige Karnevalistische Liedgut kennen. Lieder wie "Dreimal Helau" - "KI-KA-Karneval" - "Kinder macht die Gardinen zu" - "Westfalenland" - "Zwischen Rhein und Weser" - "RI-RA-Russenstiefel hat mein Mädel an" - "Der Bläser vor dem Herrn" - "Zwischen Rathaus und Lamberti" - "Einmal um die Erde", "Blöder Laden", "Lass gehen", um nur einige zu nennen, begeisterten mich. Aber das, was jährlich bei Karnevalsveranstaltungen oder noch besser beim Rosenmontagszug von den Informationstribünen auf die Besucher des Zuges herunterrieselt, kann einem Glauben machen, in Köln zu sein. Dabei wäre es kein Problem, ein musikalisches Potpourri von mehreren Stunden mit Münsterischen oder Westfälischen Liedern zu erstellen. Hier sollten die Verantwortlichen einmal daran denken, dass die Liedermacher unserer Stadt eine Menge Karnevalslieder geschrieben haben. Aber die Chance, damit groß rauszukommen war mehr als gering. Ebenso ging es Hans Leckel, Exprinz Reinhold Schmelter, Franz Tumbrink ,Horst Witte, ein Karnevalist mit Herz und Scharm, sowie Manfred Spangemacher und mir selber mit vielen anderen. Schon in den Anfängen zeigte ich immer wieder dieses Manko auf. Es wird in Köln, Düsseldorf, Mainz oder sonst einer Karnevalistischen Hochburg niemandem einfallen, Münsterische Karnevalslieder zu spielen. Warum wir das in Münster machen, ist mir immer ein Rätsel geblieben. Selbst in den Sitzungen der Gesellschaften wird das neue Liedgut aus Köln und Mainz zum Büttmarsch. Sicherlich sind uns die Rheinischen Komponisten und Texter überlegen, die Lieder haben einfach das gewisse Etwas und Masse ist nicht immer Klasse. Aber mit dem gesungenen Lied beginnt die Einstimmung auf den Karneval, und wenn wir nicht bereit sind, uns zum Münsterisch Westfälischen karnevalistischen Liedgut zu bekennen, hat der Karneval auf Dauer in dieser Traditionellen Form keine Chance. Eine Besonderheit stellt in dieser Form auch der Exprinz von 1977 Reinhold Schmelter dar. Nicht nur, dass er einer der charmantesten Prinzen war,  er ist auch ein hervorragender Sänger, Komponist und Texter. Viele seiner Lieder haben das gewisse Etwas . So erhielt unter anderen das von ihm getextete und komponierte "Europa - Lied"(soeben auf einer neuen CD erschienen) höchste Anerkennung und Beachtung.  Stets in Harmonie mit seiner charmanten Gattin Christa - Maria , die seit langem ein Herz für Menschen in Not hat. Hier übereicht ihr Gatte den Prinzenorden mit Brillanten in Anerkennung für die geleistete Arbeit in der gewesenen Session. "Hinter jedem tollen Mann steht eine starke Frau."

Noch sind die Komponisten und Texter unserer Region die letzten echten Karnevalisten, die Redner sind schon lange keine Büttenredner in dem Sinne mehr. Ihre Rede ist heute die perfekte Auflistung einer Ansammlung von Witzen, die vor jedem Publikum Bestand haben muss. Sie sind Humoristen geworden.

Ein Vortrag, der sich in Geld niederschlägt. So ist es keine Seltenheit, das aktuelle Witze in einer Session von allen Rednern übernommen werden. Gute Redner und Sänger aber werden immer seltener. 

Zur Musik sei noch gesagt ,je weiter es in die karnevalistischen Jahre ging wurden die Kapellen bei verschiedenen Vereinen und deren Veranstaltungen, immer mehr durch die jetzt aufkommenden Beatbands ersetzt. Was hier jetzt manchmal auf die Sänger bei Veranstaltungen zukam war mehr als grausam. So war es diesen Möchtegern Musikern überhaupt nicht möglich Notenfeste Begleitung zu liefern .Ich selbst habe erlebt das während einer Großveranstaltung  mit 4 Gitarren ,Schlagzeug und Keyboard zuletzt nur noch der Schlagzeuger den Sänger begleitete, alles andere hatte sich nach und nach von der Bühne gemacht . Für unsere Gesellschaft und seine Akteure hat es das nie gegeben . Wir hatten angefangen von den Bückeburger Jägern, Günter Röpke, dem Luftwaffenmusikkorps III unter Ottomar Fabry ,Paul Addas und seine "Jett Stars" bis hin zu "Hugo Strasser" usw. immer nur Big Bands der Spitzenklasse .       

 

Die im Anhang gezeigte  Ausgabe " Das schöne Münster" von 1930 zeigt ihnen die zu der damaligen Zeit existierenden Gesellschaften . Viele unserer heutigen Vereine glänzen  mit Gründungsdaten die sie nicht mal belegen können. Hier sollte der Bürgerausschuss die eigentliche Gründung einer Gesellschaft nach der Gerichtlichen Eintragung beurteilen . Im übrigen ist Alter auch kein Privileg für Leistung. 

Die 4 eingetragenen Vereine von 1930

Die " KG.Freudenthal"   

Die " KG.Aegidii - Altstadt"  

Die " KG Der Buddenturm"

Die  "KG Die Wiedertäufer"

 

 

 

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Willy Eichel, Büttredner, Sänger,  Ehrensenator - Ehrenbaas und Gründer der KG Paohlbürger Münster e.V.